Interview zur Baubiologie

Interview zur Baubiologie

Warum braucht es die Baubiologie?

Weil in den letzten Jahrzehnten ein Bedarf dafür entstand. Heute werden sehr viele Materialien und Produkte mit bedenklichen Nebenwirkungen eingebaut. Das Ziel der Baubiologie ist, bei einer bevorstehenden Renovierung oder einem Neubau, ein Beratungsgespräch zu führen, um das Einbringen solcher Produkte auch im Sinne des Vorsorgeprinzips zu vermeiden. In Bestandsgebäuden werden durch Messtechniken und Raumverstand, Quellen für eine Schadstoffbelastungen ausfindig gemacht, und «entschärft». Dabei wird eine vernünftige Minimierungsstrategie verfolg. Dazu gehört auch der steigende «Elektrosmog», bei dem es gilt intelligent und pragmatisch gegenzusteuern, ohne darauf verzichten zu müssen. Das funktioniert mit einem entsprechenden Nutzerverhalten und bedarfsorientierten Abschirmungsmassnahmen.

In jedem Fall steht der Mensch im Mittelpunkt der Aktion. Die umbaute Umgebung, sollte ein Ort der Regeneration und des Wohlbefindens sein. Dazu gehört auch die Raumphysiologie. Es soll nicht nur schön fürs Auge, sondern auch funktionell und bequem sein.  Die Ergonomie, das Farbspektrum sowie eine zweckbestimmte und modellierende Beleuchtung sind wesentliche Faktoren für eine angenehmes und entspanntes Leben zu Hause.

Auf den Punkt gebracht: Es gibt heute den Begriff – Sick Building Syndrom – (krankmachende Gebäude). Das gilt es mit der Baubiologie zu verhindern.

 

Elektrosmog, Pestizide; Fungizide, Radioaktivität… Ist das nicht auch Panikmache?

Es gibt leider Unternehmer, die mit übertriebener und falscher Botschaft, und damit «Panikmache», ein Geschäftsmodell wittern und mitunter auch erfolgreich führen. Angst ist allerdings ein schlechter Ratgeber. Hier sollte man sich auf seriöse Anbieter und gute Fachartikel einlassen. Wer nur irgendwelche «Entstörgeräte» verkaufen will (die übrigens durchwegs unnütz sind), ist schon mal stark zu hinterfragen. Es braucht (wie in vielen anderen Bereichen auch) eine Portion Unterscheidungsvermögen und auch Skepsis gegenüber Schwätzern. Eine seriöse Beratung ist kein Verkaufsgespräch.

Zudem sollten schriftliche Berichte zur Verfügung gestellt werden um die erbrachten Leistungen, Ergebnisse sowie Empfehlungen repetieren zu können.

 

Ist baubiologisch Wohnen kompliziert?

Nicht mit der Unterstützung eines Baubiologen. Wenn man den Sinn dahinter versteht ist die Motivation vorhanden, um es umzusetzen. Ich vergleich es mal mit einer Ernährungsumstellung. Junk-Food ist an jeder Ecke zu bekommen. Unkompliziert einfach und bei manchen Anbietern, muss man nicht mal mehr aus dem Auto aussteigen und braucht auch kein Besteck mehr. (Vielleicht bekommt man schmierige Finger und hat einen Eimer voll Verpackungsmüll übrig). Wen es nur schnell gehen muss oder nur vom Mikrowellenherd bestrahlt werden soll, dann kann man das schon als unkompliziert in der Beschaffung und Zubereitung bezeichnen. Kompliziert wird es mit einer «Dauerbefüllung» solcher Nahrungsmittel. Dann wird’s zu einem gesundheitlichen Problem. Wer das verhindern will, muss umdenken und umstellen. Umstellen auf eine gesunde nahrhafte Kost. Anfangs kann das bedeuten nach neuen Zutaten zu recherchieren oder neue Kochkünste zu erlernen. Es braucht auch ein neues Einkaufsverhalten. Aber die Gesundheit wird’s uns danken.

Da wir unsere Zeit hauptsächlich in Innenräumen (80 bis 90%) verbringen, ist auch hier ein Umdenken nötig. Das mag anfangs etwas kompliziert erscheinen. Ich kann dann nicht nur schnell mal eine Dispersionsfarbe mit vielen Weichmachern, Glykolen und anderen Schadstoffen beim Baumarkt holen. Ich muss in Erfahrung bringen, wo ich z.B. eine natürliche organische Kalkfarbe herbekomme. Eine Farbe ohne Ausdünstung von Giftstoffen, die meine Atemluft kontaminiert. Oder die Frage nach der intelligenten Verkabelung und Installation meiner Stromversorgung und all den Hightech Geräten. Wo kann ich mit meinem Nutzerverhalten die Belastung hochprozentig reduzieren? Welche Abschirmmöglichkeiten gibt es, falls nötig?

Weiteres: Welche Materialien sorgen für ein gutes Raumklima, sind feuchteausgleichend und laden sich elektrostatisch nicht auf?

Klar, all das fordert Recherche und besser noch die kompetente unabhängige Beratung und Unterstützung eines Baubiologen. Dann ist es nicht kompliziert, sondern es macht Freude, den Prozess eines perfekten heimischen Wohnumfeldes zu gestalten.

 

Wie kostenintensiv ist deren Umsetzung?
Es lohnt sich immer und überall eine Kosten-Nutzen-Rechnung zu machen. Klar, ist ein geölter Vollholzparkett, in der Anschaffung teurer als ein Laminatboden, der dafür aber eine Menge Formaldehyd emittiert. Im Gegensatz: Der geölte Vollholzparkett hat die Eigenschaft wärmer zu sein, die Akustik wesentlich besser zu beeinflussen, und feuchteausgleichend zu wirken. Die Haptik fühlt sich um Klassen besser an. Ein sich auszahlender Mehrwert!

Der Preis einer Naturlatexmatratze ist etwas höher, als der einer Schaumstoffmatratze mit einem massiven Cocktail an Chemie. Aber es spricht für sich, dass die Unterlage, auf der ich schlafe, und wenige Zentimeter von meiner Atmung entfernt ist, einen gehörigen Einfluss auf meine Schlafqualität und das Wohlbefinden hat. Auch hier gilt es clever zu agieren, und gut zu planen wo Abstriche gemacht werden können, um woanders gut in Gesundheit und Wohlbefinden zu investieren. Mit einer intelligenten Planung und Einteilung ist ein baubiologisches Haus/Wohnung etwas teurer als die handelsüblichen Systeme aber mit dem Mehrwert einer gesunden Umgebung.

 

Welcher Bereich sollte bevorzugt untersucht werden?

Daueraufenthaltsplätze wie Eltern und Kinderzimmer. Wir befinden uns selten so lang an einem anderen Platz von etwa 7 bis 9 Stunden, wie das im Bett der Fall ist. Kinder verbringen viel Zeit mit Spielen auf dem Boden. Somit ist klar. Diese Umgebung, und die Materialien müssen schadstofffrei sein. Im Schlaf kommt noch dazu, dass unser System auf «Sparflamme» herunterfährt (sozusagen in den Standby-Modus). Das ist ein gutes Konzept mit Sinn.  Wir können uns dabei bestens regenerieren. Der Schlaf ist damit etwas Aktives und Essentielles. Allerdings befinden sich auch unser Abwehrmechanismen in stark reduziertem Einsatz.  Sogenannte Krankheitsbeschleuniger haben in diesem Zustand leichteres Spiel. Aus diesen Gründen gilt unsere erste Priorität dem Schlaf und Spielzimmer.

 

Wie läuft eine baubiologische Untersuchung ab?

Erster Kontakt

In einem, meist telefonischen Vorgespräch, wird die Fragestellung definiert. Was sind die individuellen Bedürfnisse? Welche Untersuchungsmodule machen Sinn? (Eingrenzung der Massnahmen) Kostenvoranschlag.

Vor Ort:

In der Regel folgt dann die Auftragserteilung, Terminvereinbarung.

Begehung, Anamnese, gibt es sensorische Auffälligkeiten; nochmalige Definierung der Strategie;

Umsetzung der Untersuchung- oder Messkampagne; Je nach Untersuchungsthema kann eine vor Ort Analyse oder Laboranalyse sinnvoll sein.

Homeoffice:

Proben werden ans Labor versandt; Auswertung der Ergebnisse; Recherchen; Berichterstellung; Massnahmenempfehlungen;

Bei Bedarf Nachbetreuung; Kontrollmessungen;

von | Okt 6, 2020 | Allgemein

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Iddo Kilga

Baubiologe IBN
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